11. August 2006

Neue IT Outsourcing Milliarden für Indien

Währenddem ich das Vergnügen habe, die Stärken und Schwächen der indischen Software-Industrie vor Ort kennenzulernen, erscheinen fast täglich Meldungen über neue Milliarden-Investitionen der IT-Giganten in Indien. Google hat vorgestern angekündigt, $1 Billion in ein neues Datencenter und Back-Office in einer “Special Economic Zone” in Andhra Pradesh zu investieren. Diese jeweils von der Regierung genehmigten SEZ’s sind ein Riesenerfolg für Indien, Google steht bei weitem nicht alleine. Dell, Accenture, SAP, Microsoft und AMD haben alle in den letzten Wochen und Monaten ebenfalls Investitionen von mindestens 1$ Billion angekündigt. Die SEZ’s sind riesige Firmen-Campuses, eigene Städte mit allem was dazugehört. Auch indische Top-Firmen wie Wipro und Infosys investieren laufend in neue solche Campuses. Hyderabad/Andhra Pradesh entpuppt sich immer mehr als Haupt-Standortkonkurrent für Bangalore/Karnataka. Da gerade in Bangalore die Lohnkosten stark ansteigen, kommen vermehrt auch andere Städte und Regionen wie Mysore, Puna, Ahmedabad, Trivandrum und Kalkutta zum Zug.

Diese Investitionen zeigen, dass Indien in der harten globalen IT Outsourcing Konkurrenz nach wie vor die Nase vor hat im Vergleich zu China und Osteuropa. Die indische Wirtschaft wird weiter boomen in den nächsten Jahren, es werden sehr viele neue lukrative Arbeitsplätze geschaffen. Die Firmen-Campuses sind auch ein exzellenter “Breeding Ground” für Unternehmer. In Bangalore gibt es eine ganze Reihe von 30-40-jährigen Firmengründern, die das Risiko nicht gescheut haben, ihre gutbezahlten Jobs zu verlassen und mit kleinen, effizienten Teams auf dem Weltmarkt innovative Produkte und Services anzubieten. Mit dem boomenden IT-Outsourcing sind auch viele Tücken verbunden. Das Qualitätsmanagement nach westlichen Ansprüchen ist die grösste Herausforderung, sowohl für die IT-Giganten als auch in der Zusammenarbeit mit kleinen und mittleren Software-Firmen. Sie lässt sich nur mit intensiver Kommunikation und mit ausreichend Leuten vor Ort, die eine “Brückenfunktion” wahrnehmen, meistern.

Auch in sozialer Hinsicht ist das enorme Wachstum eine grosse Herausforderung für Indien. Zum vorhandenen religiösen Konfliktpotenzial zwischen Hindus und Muslimen kommt immer mehr auch das Konfliktpotenzial im Klassenkampf zwischen den Habenichtsen und den “IT-Yuppies” hinzu. Dies hat sich in Bangalore zuletzt im April in den Gewaltausbrüchen nach Dr. Rajkumar’s Tod entladen. Doch Indien ist es in seiner Geschichte immer wieder gelungen, solche Herausforderungen zu meistern und zwischen alten Traditionen und modernen Entwicklungen eine einzigartige Symbiose zu schaffen :-)

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26. Juni 2006

Die flache Welt: Globale Outsourcing-Konkurrenz auf dem Internet

Wohl in keinem Bereich ist die “flat world” so flach (siehe Friedman) wie im IT- und Internet-Business. Hier in Bangalore leben Hunderttausende hervorragend dank dem Outsourcing der grossen amerikanischen und europäischen Firmen. Ebenso in einigen indischen “Second Tier” Städten, in Russland und China. Doch IT-Outsourcing ist nicht nur auf mittlere und grosse Konzerne beschränkt. Auch westliche Start-up’s und KMU’s werden von der hiesigen Softwareindustrie gut und gerne bedient. Start-up’s, KMU’s, Einzelunternehmer oder nebenberufliche Webmaster können IT- und Web-Projekte auch auf dem Internet problemlos ganz oder teilweise outsourcen.

Dafür sorgen Sites wie getafreelancer.com oder scriptlance.com, auf denen die globale Konkurrenz wie nie zuvor spielt. Bis zu 100 Offerten beispielsweise für ein Webdevelopment-Projekt sind keine Seltenheit. Diese kommen aus allen möglichen Ländern – Indien, USA, Ukraine, Rumänien, Russland, Australien und der mittlere Osten sind gut vertreten. Vereinzelt sind auch Europäer dabei. Nicht alle Offertsteller sind ernstzunehmen, doch es ist auch viel Qualität darunter. Und überraschend günstige Preise. Für “Standard”-Knowhow wie XHTML, CSS, PHP, Java, etc sowie einfache Graphik-, Webpromotion- und SEO-Jobs werden meist Stundenansätze zwischen 4 US$ und 15-20 US$ geboten. Komplexere Projekte werden teurer – von 50$ bis 50′000$ ist alles dabei.

Das für solche Preise gebotene Knowhow dieser “smart kinds” und “Gazellenfirmen” irgendwo auf dem Planeten ist überraschend gut. Natürlich sind auch Risiken und Aufwand mit solchem Outsourcing verbunden. Klare Konditionen mit Zahlung über einen Escrow bei Lieferung der vereinbarten Leistung, detaillierte Spezifikationen und intensive Kommunikation sind unabdingbar für das Gelingen eines Projekts.

Auch gutbezahlte Schweizer Informatiker sollten diese Entwicklung als Chance und nicht als Bedrohung ansehen. Sie haben zum Beispiel die Möglichkeit, sich auf die für sie interessanteste Arbeit zu beschränken und Routine-Jobs zu outsourcen. Die Rahmenbedingungen haben sich für alle geändert. Heute kann jede gute Idee für einen Internet- und/oder Mobile-Dienst dank frei verfügbarem, günstigem Outsourcing, Hardware, Speicher und Hosting so kostengünstig wie noch nie realisiert werden. Egal wo auf der Welt. Auch ohne Venture Capital Millionen, zumindest bis der “proof of concept” erbracht ist! Der Screenshot zeigt einen Ausschnitt von Bids für ein SEO Projekt auf getafreelancer.com.

getafreelancer

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