Währenddem ich das Vergnügen habe, die Stärken und Schwächen der indischen Software-Industrie vor Ort kennenzulernen, erscheinen fast täglich Meldungen über neue Milliarden-Investitionen der IT-Giganten in Indien. Google hat vorgestern angekündigt, $1 Billion in ein neues Datencenter und Back-Office in einer “Special Economic Zone” in Andhra Pradesh zu investieren. Diese jeweils von der Regierung genehmigten SEZ’s sind ein Riesenerfolg für Indien, Google steht bei weitem nicht alleine. Dell, Accenture, SAP, Microsoft und AMD haben alle in den letzten Wochen und Monaten ebenfalls Investitionen von mindestens 1$ Billion angekündigt. Die SEZ’s sind riesige Firmen-Campuses, eigene Städte mit allem was dazugehört. Auch indische Top-Firmen wie Wipro und Infosys investieren laufend in neue solche Campuses. Hyderabad/Andhra Pradesh entpuppt sich immer mehr als Haupt-Standortkonkurrent für Bangalore/Karnataka. Da gerade in Bangalore die Lohnkosten stark ansteigen, kommen vermehrt auch andere Städte und Regionen wie Mysore, Puna, Ahmedabad, Trivandrum und Kalkutta zum Zug.
Diese Investitionen zeigen, dass Indien in der harten globalen IT Outsourcing Konkurrenz nach wie vor die Nase vor hat im Vergleich zu China und Osteuropa. Die indische Wirtschaft wird weiter boomen in den nächsten Jahren, es werden sehr viele neue lukrative Arbeitsplätze geschaffen. Die Firmen-Campuses sind auch ein exzellenter “Breeding Ground” für Unternehmer. In Bangalore gibt es eine ganze Reihe von 30-40-jährigen Firmengründern, die das Risiko nicht gescheut haben, ihre gutbezahlten Jobs zu verlassen und mit kleinen, effizienten Teams auf dem Weltmarkt innovative Produkte und Services anzubieten. Mit dem boomenden IT-Outsourcing sind auch viele Tücken verbunden. Das Qualitätsmanagement nach westlichen Ansprüchen ist die grösste Herausforderung, sowohl für die IT-Giganten als auch in der Zusammenarbeit mit kleinen und mittleren Software-Firmen. Sie lässt sich nur mit intensiver Kommunikation und mit ausreichend Leuten vor Ort, die eine “Brückenfunktion” wahrnehmen, meistern.
Auch in sozialer Hinsicht ist das enorme Wachstum eine grosse Herausforderung für Indien. Zum vorhandenen religiösen Konfliktpotenzial zwischen Hindus und Muslimen kommt immer mehr auch das Konfliktpotenzial im Klassenkampf zwischen den Habenichtsen und den “IT-Yuppies” hinzu. Dies hat sich in Bangalore zuletzt im April in den Gewaltausbrüchen nach Dr. Rajkumar’s Tod entladen. Doch Indien ist es in seiner Geschichte immer wieder gelungen, solche Herausforderungen zu meistern und zwischen alten Traditionen und modernen Entwicklungen eine einzigartige Symbiose zu schaffen

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